Im Jahr 1942 gründete Poul Nielsen auf der Insel Seeland die Werkstatt „Kyringe Træindustri“. Während des Krieges fertigte Nielsen hier zunächst Holzschuhe und einfache Alltagsgegenstände. Vermutlich im Jahr 1946 wurde die Produktion um Pfeifen aus Buchenholz erweitert. Als das hochwertige Wurzelholz der Baumheide wieder verfügbar war, stellte er die Produktion auf Bruyèrepfeifen um. Diese trugen den Namen „Kyringe“. 1948 war schließlich das Geburtsjahr der Marke „Stanwell“ – ein bewusst englisch klingender Markenname, da englische Pfeifen damals als Maßstab galten.
Im Jahr 1965 wurde die Produktion dann nach Borup bei Kopenhagen verlagert. Sie galt jahrelang als die größte und modernste Pfeifenproduktion der Welt. Trotz des hohen Ausstoßes wurden niemals Zugeständnisse an die Qualität gemacht. Deutschland war hierbei stets der größte Exportmarkt.
Bis 1982 befand sich die Marke im Besitz der Familie Nielsen. Nach dem Tod des Firmengründers entschloss sich die Familie zum Verkauf. Rothmans International wurde neuer Besitzer der Firma Stanwell. Für den Tabakkonzern stellte der Erwerb eine sinnvolle Ergänzung des Produktportfolios dar.
1999 wurde Rothmans International jedoch von British American Tobacco übernommen. Dadurch landeten zahlreiche kleinere Marken und Beteiligungen beim börsennotierten Konzern. Dieser wollte sich jedoch auf sein Kerngeschäft mit Zigaretten fokussieren. Pfeifen und Pfeifentabak galten als Randgeschäft. 2003 verkaufte BAT die Marke schließlich an die Scandinavian Tobacco Group. Für den weltgrößten Produzenten von Pfeifentabak (u. a. Orlik und W.O. Larsen) war dies eine strategisch sinnvolle Entscheidung. STG ist bis zum heutigen Tag Markeninhaber und Produzent der Stanwell Pfeifentabake.
Der maßgebliche Erfolg der Marke resultiert aus der engen Zusammenarbeit mit dänischen Freehand-Pfeifenmachern, die die Formensprache von Stanwell prägten. Allen voran der legendäre Sixten Ivarsson. Er entwickelte moderne, fließende Pfeifenformen, die den sogenannten Danish Style weltweit bekannt machten. Sein Erbe wurde von Pfeifenlegenden wie Tom Eltang, Ulf Noltensmeier, Per Hansen von S. Bang, Jess Chonowitsch und vielen anderen fortgeführt. Die Pfeifenmacher durften sich im Stanwell-Lager Ebauchons aussuchen; im Gegenzug teilten sie ihre kreativen Ideen, ihre Expertise und designten zahlreiche Modelle. Das Stanwell-Werk wurde von den beiden angestellten STG-Geschäftsführern Arne Deli und Jens Lillelund geführt, die wiederum ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis zu zahlreichen Pfeifenmachern pflegten. Man begegnete sich auf Augenhöhe und unterstützte sich gegenseitig.
2009 wurde die Produktion in Dänemark schließlich eingestellt. Die Produktionszahlen waren rückläufig, und die Herstellung in dem Hochlohnland war zu diesen Verkaufspreisen nicht mehr rentabel. Der Mutterkonzern verlagerte die Produktion komplett nach Italien.
STG besitzt zahlreiche Zigarrenmarken und verkauft Roll-your-own-Tabake, Snus, Pouches sowie Pfeifentabak. Die Kategorie Pfeife spielt im Gesamtsortiment nur noch eine untergeordnete Rolle. So wurden in den letzten Jahren nur wenige Neuheiten vorgestellt und lediglich noch wenige Märkte mit einem breiteren Sortiment beliefert.
Für Oliver Kopp war und ist die Marke ein Mythos der Pfeifengeschichte. Nach langen Verhandlungen ist es ihm gelungen, mit der STG einen exklusiven Lizenzvertrag über die Marken- und Vertriebsrechte für Stanwell-Tabakpfeifen und Raucherzubehör abzuschließen.
Die Familie Kopp pflegt seit jeher beste Kontakte zum Nachbarn im Norden. Seit 1969 importiert das Offenbacher Familienunternehmen Tabakpfeifen aus Dänemark. Es ist jedoch nicht nur Importeur, sondern auch Eigentümer und Entwickler zahlreicher international bekannter Pfeifenmarken.
Oliver Kopp zeichnet bereits persönlich für die Designs der drei eigenen Marken Rattray’s, Barling und White Elephant verantwortlich und freut sich nun darauf, den Markenkern und das Erbe der Stanwell-Pfeifen unter Einhaltung hoher Qualitätsstandards fortführen und bewahren zu dürfen.
Der Pfeifenspezialist Kopp Pipes verantwortet die Gestaltung des Sortiments, vergibt die Aufträge, übernimmt die Qualitätskontrolle, führt das Warenlager sowie Marketing und Vertrieb für alle Länder Europas.
Die Pfeifen werden weiterhin bei einem italienischen Hersteller liebevoll gefertigt. Die kleine Werkstatt befindet sich in Livorno und ist im Besitz nahezu aller Originalmodelle. Sie ist inhabergeführt und beschäftigt derzeit sechs Mitarbeiter.
Der Auftakt beginnt mit zwölf 9-mm-Bestsellermodellen. Diese sind in den Serien Vario sowie København Brushed, Sand, Terracotta und Light erhältlich. Diese Grundkollektion aus 60 Artikeln wird sukzessive um alte Sondermodelle und die Hans-Christian-Andersen-Serie erweitert. In Planung sind außerdem neue Jahrespfeifen, die in Zusammenarbeit mit dänischen Pfeifenmachern entwickelt werden. Tom Eltang hat bereits seine Unterstützung zugesagt.